VANMAG

Zeit für Veränderungen

Vikusschlucht, Griechenland

„Was ist der Sinn des Lebens?“

Ich weiß nicht, wie oft ich in meinem Leben mit dieser Frage schon in Berührung gekommen bin und wie oft ich mir diese Frage auch selbst gestellt habe. „Was ist der Sinn des Lebens?“
Aus heutiger Sicht kann ich nicht sagen, ob ich den „Sinn des Lebens“ jemals finden werde. Ob ich dem „Sinn des Lebens“ jemals begegnen werde. Mein Gefühl sagt mir allerdings, dass ich meinem „Sinn des Lebens“ heute deutlich näher bin als noch vor einigen Jahren.

Was war vor einigen Jahren passiert?

Wir (das bin ich, Martina, mein Ehemann Stefan und unsere 2 wunderbaren Jungs) hatten ein erfülltes Leben. Über viele viele Jahre. Gut bezahlte Jobs, ein Haus mit Pool in der Vorstadt, viele Freunde. Wir waren glücklich… Scheinbar.
Bis eines Tages, es war im Herbst 2017, Stefan ausgebrannt war. Er war müde, konnte nicht mehr aus seinem Bett. Er konnte nicht mehr unter Menschen gehen. Er hatte ein klassisches Burnout. Ganz überraschend war diese Tatsache nicht eingetreten, es hat sich quasi angebahnt. Jahrelang von Termin zu Termin gesprungen, von früh morgens bis spät in die Nacht gearbeitet, über Jahre. Rien ne va plus, nichts geht mehr.

Erste kleine Veränderungen

So schwierig und emotional die Zeit damals auch war, heute sind wir froh, dass dieses Burnout in unser Leben „getreten“ ist. Stefan sagt immer wieder zu mir, dass er ohne dieses Burnout vermutlich noch immer seine Runden im Eiltempo im Hamsterrad drehen würde.
Nach ein paar Wochen ist Stefan in seinen Job zurückgekehrt. Gesund war er bestimmt noch lange nicht, aber unsere sehr hohen Fixkosten waren abzudecken. Wir waren auf sein Gehalt angewiesen. Zumindest hat Stefan zu dieser Zeit klare persönliche Regeln definiert, wie es beruflich weitergehen soll. So wurde zum Beispiel ab diesem Zeitpunkt das Smartphone um 17 Uhr ausgeschalten, keine Telefonate und e-Mails mehr bis tief in die Nacht.

Eine Reise die unser Leben verändert hat

Unser Familienleben wurde ruhiger. Wir hatten mehr Zeit für uns. Aber seit Herbst 2017 hat sich vieles in uns getan. Wir haben stundenlange Gespräche geführt, haben wieder einmal über den „Sinn des Lebens“ diskutiert. Haben philosophiert, wie unsere Zukunft womöglich ausschauen könnte. Tage-, ja wochenlang haben wir geträumt wie es nur wäre, auf eine längere Reise zu gehen. Nur wir als Familie, ohne auf die Zeit achten zu müssen.
Wir haben dann tatsächlich Nägel mit Köpfe gemacht. „Lass es uns einfach machen“. „Lass uns die Rucksäcke packen und losziehen.“ Und wir haben es tatsächlich gemacht. Im Sommer 2019. Wir mussten damals unseren ganzen Mut zusammennehmen, um es unseren Vorgesetzten in unseren Jobs mitzuteilen.
Auch wenn wir einen unbezahlten Urlaub konsumiert haben wussten wir damals nicht, wie die Reaktion aussehen würde. In Gegensatz zu Stefan, der seinen Beruf nur mehr ausführte, um unsere Lebenserhaltungskosten zu decken, liebte ich meinen Beruf von Herzen.
Ich bin Elementarpädagogin und war zu diesem Zeitpunkt bereits jahrelang in einem wunderbaren Montessorihaus tätig. Ich wollte meinen Job auf keinen Fall verlieren. Aber noch mehr mochte ich die Rucksäcke packen und losziehen, nur mit meiner kleinen Familie.
Die Sorgen im Vorfeld waren unbegründet, wie so oft im Leben. Wir bekamen unsere unbezahlten Urlaube genehmigt und konnten los.

Drei Monate waren wir unterwegs. In Südostasien. Wir sind mit dem Zug quer durch Thailand, haben in Malaysien den ältesten Urwald der Welt erkundet, waren auf der Insel Java auf einen der aktivsten Vulkane der Welt, haben die letzten frei lebenden Orang Utans auf diesem Planten auf Borneo hautnah miterleben können, wir relaxten auf Bali und haben die Insel Sulawesi weit abseits des Massentourismus durchquert. Wir konnten mit Walhaien, Haien, Rochen und unzähligen bunten Fischen schnorcheln, wir durften Kulturen wie jene der Torajas erleben, die mir zuvor durch ihren Totenkult nur aus dem Fernsehen bekannt waren.
Diese Reise hat unser Leben verändert. Wir wussten ab diesen Zeitpunkt, dass das Leben viel mehr zu bieten hat, als unseren kleinen und bekannten Horizont. Wir wollten mehr sehen, wir wollten weiterhin mehr Zeit haben, wir wollten unser enges Familienleben nicht mehr hergeben.

Time4changes

Nach unserer Rückkehr nach Österreich war klar, dass ein Leben wie zuvor schwer möglich ist. Wir haben es noch eine zeitlang versucht. Ich bin in meinen Beruf im Kindergarten zurückgekehrt und habe es sofort wieder geliebt, mit den Kindern zu arbeiten. Stefan hat noch auf der Reise seinen Job gekündigt. Daher hat er eine Tätigkeit in einem Büro angenommen, der finanziell zwar deutlich schlechter dotiert war als seine Arbeit zuvor, ihm jedoch geregelte Arbeitszeiten ermöglichten.

Wir haben es versucht. Der Drang von der Freiheit war aber zu groß. Jeden Tag. Wir haben die oft zitierte „Luft von Freiheit“ geschnuppert. Wir haben Lust auf eine größere Veränderung bekommen. Wir haben Lust auf Leben bekommen. Wir haben nicht Lust darauf bekommen aus dem Leben auszusteigen, nein, wir wollten
endlich ins „Leben einsteigen“.

Wieder vergingen Wochen und Monate, unzählige stundenlange Gespräche. Auch wenn sich unser Schritt heute nicht mehr mutig anfühlt weiß ich, dass unser Schritt damals mutig war. Denn wir haben uns dazu entschlossen unser Haus zu verkaufen und ein Wohnmobil anzuschaffen. Wir haben uns dazu entschlossen alles zu verkaufen oder zu verschenken, was nicht in unser Wohnmobil passt.
Nachdem wir unseren Lastwagen gekauft hatten sollte noch ein Jahr vergehen, bis wir endlich ins Leben einsteigen und los düsen konnten. Ich habe zuletzt im Kindergarten gearbeitet und es war auch nicht einfach, diesen hinter mir zu lassen. Das Arbeiten mit Kindern und Familien erfüllt einfach mein Herz.

Über die Rahmenbedingungen, die seitens des Staates vorgegeben werden, möchte ich lieber den Mantel des Schweigens ausrollen. Stefan hat in diesem letzten Jahr vor der Abfahrt unseren Mercedes Benz LA911 in harter Arbeit restauriert. Learning by doing, hatte er doch zuvor mit Handwerk oder KFZ-Technik nichts am Hut. Wenn man aber will, dann schafft man alles. Das ist uns heute noch viel klarer als noch zu dieser Zeit. „No limits“ im Leben. Einfach alles versuchen.

Endlich ging
es los

Im August 2021 haben wir dann unseren Motor gestartet und sind losgefahren. Ziel unbekannt. Abschied nehmen war natürlich nicht einfach. Man lässt Freunde zurück, Familie und viele gewohnte Muster. Aber unsere Vorfreude auf Neues, auf neue Abenteuer war im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos.
Doch jeder Anfang ist schwer. Wir hatten nur eine Probenacht in unserem Camper verbracht, das war´s.
Wir sind zuvor nie mit einem Wohnmobil unterwegs gewesen. Alles Neuland für uns. Dusche nur Outdoor, Trockentrenntoilette, begrenzt Wasser, Generell der enge Raum. Zu viert auf etwa 12 m², das benötigt seine Zeit. Das benötigt neue Routinen.
Anfangs haben wir daher vermehrt den „Luxus“ von Campingplätzen genutzt. Wurden aber mit der Zeit immer sicherer und haben es lieben gelernt, frei in der Natur zu stehen. Am Meer, an Flüssen oder an Seen, im Wald, in den Bergen, oder in der Wüste
Fast 22 Monate leben wir jetzt schon dauerhaft im Camper. Im Gegensatz zu anderen Reisenden sind wir eher langsam unterwegs. Aber reisen soll ja auch kein Wettrennen sein. Wir haben unsere ersten Erkenntnisse in Ungarn sammeln dürfen und haben in Rumänien Bären auf der Transalpina gesichtet. Wir mussten wegen einem Virus Bulgarien in einem Tag durchqueren und haben in 8 Monaten Aufenthalt unser Herz in der Türkei verloren. Wir staunten in Griechenland über die Vikusschlucht, die die tiefste der Welt ist. Die Gastfreundschaft in Albanien hat uns verzaubert, der Besuch von unserer Oma in Montenegro hat unsere Jungs zu sehr glücklichen Menschen gemacht. Italien haben wir als Transitland zügig durchquert, die Faszination von Rom wird uns aber in herausragender Erinnerung bleiben. Die Südküste Spaniens war sehr überlaufen, unsere Besuche bei diversen Lebensgemeinschaften hat unser Leben allerdings massiv bereichert. Marokko mit seiner Landschaft, den Wüsten und den gigantischen Höhen im Atlasgebirge hat uns neue Horizonte eröffnet.

Aktuell sind wir zurück in Spanien, in der Extremadura. Eine Region die uns besonders gut gefällt. Wenig besiedelt, viel Natur, wir genießen die Ruhe.
Fast 22 Monate leben wir jetzt schon dauerhaft im Camper. Im Juni gibt es zum ersten Mal eine Rückkehr nach Österreich. Wir freuen uns auf 20 Tage Urlaub. Wir freuen uns auf unsere Familie, auf unsere Freunde. Wir sind aber auch gespannt, wie sich eine Rückkehr in unser „altes Leben“ anfühlen wird.

AUTORIN

Das bin ich

Ich bin Martina, 40 Jahre alt.
Ich habe vor 20 Jahren mit Stefan meinen Seelenverwandten kennengelernt.
Seit 13 Jahren sind wir verheiratet.
Im Jahr 2009 hat uns Sebastian zur Familie gemacht. Diese wurde 2011 durch die Geburt
von Philip komplettiert.

Ich war fast 15 Jahre als Elementarpädagogin tätig.
Viele Jahre davon in einem Montessorihaus.

Das Arbeiten mit Familien und Kindern erfüllt mein Herz .

Ich habe daher www.kinder-glueck.net ins Leben gerufen. Es würde mich sehr freuen, wenn du mich auf einen meiner Kanäle besuchst.

Martina

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